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DFB fehlt der Mut zum Neuanfang

Die Entscheidung der DFB-Führung für Jogi Löw kommt knapp zwei Wochen zu spät und wird durch die fragwürdigen Begründungen nicht besser. Aufbruchstimmung wird dadurch nicht erzeugt, eher im Gegenteil. Ein Kommentar.

Jogi Löw darf also Bundestrainer bleiben, offiziell sogar bis zur WM 2022 in Katar. Offenbar überwog in der DFB-Führung die Angst vor einem klaren Schnitt, weil man den verdienten Löw nach mehr als 14 Jahren im Amt nicht unehrenhaft entlassen wollte und er selbst zu einem Rücktritt nach wie vor nicht bereit ist.

Ein « Weiter so », das die übergroße Mehrheit der Fans spätestens nach dem historischen 0:6-Debakel in Spanien ebenso für falsch hält wie große Teile des (noch) öffentlich schweigenden Fußball-Business.

Jogi Löw: EM-Vorrunden-Aus nicht unrealistisch

Dem 60-Jährigen traut man die Wende nicht mehr zu, denn statt des angekündigten Neustarts nach der WM-Blamage 2018 ist es mit der Nationalmannschaft tendenziell immer weiter abwärts gegangen. Ein Vorrunden-Aus bei der EM im nächsten Sommer in der Münchner Allianz Arena durch Pleiten gegen Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal wäre mittlerweile keine allzu große Überraschung mehr.

Dass man die Gefahr einer solchen Heimpleite im DFB durchaus als realistisches Szenario ansieht, zeigt die fast zweiwöchige Hängepartie nach dem Sechserpack von Sevilla. Statt die Diskussion schon damals für beendet zu erklären, wurden die Treuebekundungen von DFB-Sportchef Oliver Bierhoff und Präsident Fritz Keller nach dem Spiel wenig später ohne Not wieder einkassiert, Löws Verbleib in kryptisch formulierten Pressemitteilungen in Frage gestellt und dadurch eine anhaltende öffentliche Bundestrainer-Debatte vom Zaun gebrochen.

An diesem Freitag schließlich sollte das 19-köpfige DFB-Präsidium über eine weitere Zusammenarbeit entscheiden, doch nun wurde dieser öffentlich groß angekündigte Fahrplan durch die Verbandsspitze über den Haufen geworfen, die Löw eigenmächtig vorher das Vertrauen aussprach. Ein Beschluss, der trotz aller vorgeblichen Alternativlosigkeit keine Aufbruchstimmung erzeugen wird, im Gegenteil.

Fragwürdige Behauptungen und Selbstverständlichkeiten

Zumal in der offiziellen Erklärung in Verkennung des oft wenig ansehnlichen Gekickes der vergangenen zwei Jahre behauptet wird, die Mannschaft habe nur dieses eine schlechte Spiel gegen Spanien gemacht und zudem sportliche Selbstverständlichkeiten als Argumente für das Treuebekenntnis herangezogen wurden: « EM-Qualifikation, der Verbleib in Liga A der Nations League und die Positionierung im ersten Lostopf bei der WM-Qualifikation. »

Eine Rechtfertigung für alles und nichts ist zudem die dann folgende Aussage: « Zustimmung erhält auch die Einschätzung des Bundestrainers, dass nachfolgende Turniere – konkret die WM 2022 in Katar und die EM 2024, die im eigenen Land stattfindet – als Perspektiven und sportliche Ziele bereits zum jetzigen Zeitpunkt in den weiteren sportlichen und personellen Überlegungen eine Rolle spielen müssen. »

Damit kann man sowohl den weiteren Verzicht auf die zuletzt schmerzlich vermissten Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng begründen als auch ein Verpassen des eigentlich für die EM ausgegebenen Mindestziels Halbfinale. Wenn aber die Perspektiven wichtiger als der Erfolg im nächsten Jahr sind, hätte man gerade gute Gründe für eine Trennung von Löw gehabt.

Jogi Löw: Nach Winterschlaf plötzlich wieder WM-Trainer?

Diese Chance zu einem radikalen Neuanfang mit einem neuen Bundestrainer hat die DFB-Führung erneut gescheut – auch aus Mangel an überzeugenden Alternativen und aufgrund der angeblich an Löw zu zahlenden Abfindung von acht Millionen Euro.

Stattdessen erteilt man Löw ungeachtet der bedenklichen Entwicklungen einen Freibrief und hofft einfach, dass der Badener nach einem ausführlichem Winterschlaf 2021 wieder plötzlich der erfolgreiche Weltmeister-Trainer von 2014 sein wird.

Dass man für diese Nicht-Entscheidung fast zwei Wochen brauchte, spricht Bände über die Führungs- und Orientierungslosigkeit im DFB. Gut möglich, dass der ewige Löw davon auch bei einem weiteren Debakel bei der EM profitieren würde und auch dann einfach weitermachen dürfte.

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